Inklusion

Derzeit wird viel über Inklusion gesprochen, aber im Hinblick auf die realistische Umsetzung gibt es in unserem Einzugsgebiet für Menschen mit Behinderungen ein nur geringes Angebot an geeigneten Tagesstrukturen und Wohnformen. Für Menschen mit einem erhöhten Hilfebedarf bestehen derzeit, in dem von uns beschriebenen Einzugsbereich, keine ausreichenden Angebote. Viele Menschen können nicht nach ihren Bedürfnissen bzw. ihren Voraussetzungen entsprechend erreicht werden. Gerade Menschen, die nicht in herkömmliche Heimsituationen eingebunden sind oder dies nicht wollen, haben wenig flexible Möglichkeiten einer individuellen Teilhabe am Leben und somit auch keine Wahlmöglichkeit. Dadurch ist eine individuelle Begleitung des Einzelnen, mit seinen eigenen Wünschen und Vorstellungen vom Lebensalltag und damit eine gezielte Förderung und Heranführung an Bildungs- und Beschäftigungsmöglichkeiten begrenzt und nur schwer umsetzbar.

Gerade junge Menschen mit Mehrfachschwerstbehinderungen haben wenig Möglichkeiten einer individuellen Teilhabe am Leben. Somit ist eine weitestgehende unabhängige Lebensführung nur schwer umsetzbar. Spezielle, individuelle Angebote der Teilhabe am gesellschaftlichen Leben, geeignete Wohnformen und Angebote für Menschen mit schweren Behinderungen sind nicht ausreichend vorhanden. Begegnungsmöglichkeiten, in denen Menschen mit und ohne Hilfebedarf in Kontakt kommen, einander kennenlernen und miteinander gemeinsam tätig werden können, sind selten und werden nicht kontinuierlich angeboten. Von daher sind wir von Inklusion und Teilhabe noch weit entfernt. Inklusion ist in aller Munde. Die Definition ist die eine Sache, ihre Umsetzung eine andere.

Das Konzept der Inklusion beschreibt eine Gesellschaft, in der jeder Mensch akzeptiert wird und gleichberechtigt und selbstbestimmt an dieser teilhaben kann – unabhängig von Geschlecht, Alter oder Herkunft, von Religionszugehörigkeit oder Bildung, von eventuellen Behinderungen oder sonstigen individuellen Merkmalen.

Der Begriff Inklusion beschreibt in der Soziologie den Einschluss bzw. die Einbeziehung von Menschen in die Gesellschaft. „Inklusive Pädagogik“ ist ein neuer pädagogischer Ansatz, dessen wesentliches Prinzip die Wertschätzung und Anerkennung von Diversität in Bildung und Erziehung ist. Inklusion ist ein Menschenrecht, das in der UN-Behindertenrechtskonvention festgeschrieben ist. Deutschland hat diese Vereinbarung unterzeichnet. Mit der Umsetzung von Inklusion stehen wir aber noch am Anfang eines langen Prozesses. Inklusion ist kein Expertenthema – im Gegenteil. Sie gelingt nur, wenn möglichst viele mitmachen. Jeder kann in seinem Umfeld dazu beitragen.

In einer inklusiven Gesellschaft ist es normal, verschieden zu sein. Das erfordert aber auch weniger Barrieren bei Behörden, in der Politik, in der Infrastruktur und in Gebäuden, aber auch weniger Barrieren in den Köpfen.

In der inklusiven Gesellschaft gibt es keine definierte Normalität, die jedes Mitglied dieser Gesellschaft anzustreben oder zu erfüllen hat. Normal ist allein die Tatsache, dass Unterschiede vorhanden sind. Diese Unterschiede werden als Bereicherung aufgefasst und haben keine Auswirkungen auf das selbstverständliche Recht der Individuen auf Teilhabe. Aufgabe der Gesellschaft ist es, in allen Lebensbereichen Strukturen zu schaffen, die es den Mitgliedern dieser Gesellschaft ermöglichen, sich barrierefrei darin zu bewegen. Inklusion muss auf kommunaler Ebene auf sozialer und pädagogischer Basis stattfinden. Inklusion heißt Zugehörigkeit, also das Gegenteil von Ausgrenzung. Wenn jeder Mensch, mit oder ohne Behinderung, überall dabei sein kann, wohnen kann, leben kann- dann ist das „gelungene Inklusion“.